Wie es begann

Corinna wurde am 6.2.1983 in Achern geboren. Die ersten sportlichen Schritte erfolgten im örtlichen Turnverein in Kappelrodeck. Später kam inspiriert durch die Nachbarskinder Voltigieren dazu, wobei die große Begeisterung jedoch ausblieb. Kurz vor Jahresende 1989 kam im Fernsehen eine Varietesendung, in der ein kleiner Junge mit seinem Vater Einrad fuhr. Dieser hat Corinna nachhaltig beeindruckt, den das wollte sie "unbedingt auch können". So kam der Kontakt zum RMSV Obersasbach zustande. Beim ersten Training stellte sich allerdings heraus, dass es keine Einräder gab, sondern "nur" Kunsträder. Nachdem die ersten Berührungsängste überwunden waren - Corinna traute sich im ersten Training nur an der Wand entlang zu fahren und nicht frei durch die Halle - machte das aber auch eine Menge Spaß.

Schülerklasse

Bereits nach einem Jahr stellten sich mit dem Bezirksmeistertitel und der Berufung in den E-Kader Südbaden die ersten Erfolge ein. 1993 konnte Corinna ihren ersten badischen Meistertitel einfahren. Im Anschluss begann Corinnas Trainer sich mehr und mehr aus dem Trainings- und Wettkampfgeschehen zurückzusehen und ihre Eltern begannen durch Beiwohnen vieler Kadertrainings seinen Platz einzunehmen, was sich 1995 mit der Teilnahme an der Deutschen Schülermeisterschaft auszahlte, wo Corinna sich vom 25. auf den 16. Platz nach vorne fuhr. Ab 1996 war sie dann auch Mitglied im Landeskader Baden-Württemberg und konnte sich wie im Folgejahr die Bronzemedaille bei den Deutschen Meisterschaften sichern.

Juniorenklasse

1998 erfolgte der Übergang in die Juniorenklasse. Hier konnte sich Corinna mit einem achten Rang bei den Deutschen Meisterschaften bewähren und wurde in die Juniorennationalmannschaft berufen, der sie die nächsten drei Jahre angehören sollte. 1999 war es aufgrund von Rückenproblemen kaum möglich, Wettkämpfe zu bestreiten. Dennoch konnte Corinna sich einen achtbaren 8. Platz bei der DM erkämpfen. Mit zwei 5. Plätzen in den Folgejahren blieb Corinna jedoch der erneute Sprung auf das Siegertreppchen bei einer Deutschen Meisterschaft in der Juniorenklasse verwehrt. 2000 noch knapp gescheitert, konnte sich Corinna 2001 dennoch als eine von zwei deutschen Fahrerinnen für die Europameisterschaft im tschechischen Liberec qualifizieren, wobei ein dritter Rang heraussprang.

Eliteklasse

Nach dem Abitur erfolgte 2002 der Sprung in die Eliteklasse. Nachdem die Juniorenzeit ein wenig durchwachsen verlaufen war, konnte Corinna ihre Leistung in diesem Jahr stark stabilisieren und erreichte auf Anhieb den Bronzerang bei der Deutschen Meisterschaft und den nahtlosen Übergang von der Juniorennationalmannschaft in die Nationalmannschaft des Bund Deutscher Radfahrer. Der studienbedingte Umzug ins hessische Darmstadt und das Training in verschiedenen Vereinen - vornehmlich die SKV Mörfelden, der RV Saulheim, der RV Wörrstadt und der RV Großostheim - unter mehreren Trainern und auf unterschiedlichen Böden wirkte sich positiv aus und so konnte Corinna den Schwierigkeitswert ihrer Kür 2003 erheblich steigern und in die Weltspitze aufschließen, was sich sich mit dem Gewinn der Vizeweltmeisterschaft und dem 1. Platz in der Weltrangliste äußerte. Beide Titel konnten im Folgejahr wiederholt werden. Auch im Studium der Materialwissenschaft an der TU Darmstadt lief es gut und so zog es Corinna nach dem Vordiplom im Sommer 2004 für zwei Semester ins Ausland nach Clermont-Ferrand, wo die Möglichkeit bestand beim französischen Nationaltrainer zu trainieren. Durch die langen Fahrtwege zu den Wettkämpfen und die teilweise schwierigen Trainingsbedingungen verkomplizierte sich die Saison 2004 zunehmends, hinzu kam eine Sprungelenksverletzung eine Woche vor der Deutschen Meisterschaft, bei der sich Corinna überraschend ihren ersten Titel sichern konnte. Nach der Rückkehr nach Darmstadt im Sommer 2005 musste bedingt durch die fehlenden Testwettkämpfe viel an der Form gefeilt werden und schließlich konnte Corinna gut vorbereitet in die Saison gehen, die jedoch nach gut einer Minute mit einem Bänderriss an der ersten WM-Qualifikation bereits wieder beendet schien. Zwei Wochen später war Corinna erneut am Start, zeigte eine ansprechende Leistung, die aber nicht für die WM reichen sollte. 2006 nahm Corinna eine Auszeit vom Wettkampfsport und verzichtet zugunsten einer viermonatigen Radtour durch Europa auf die komplette Saison. Motiviert durch die Pause begann Corinna danach an ihrem Comeback zu arbeiten um 2007 wieder voll anzugreifen, was trotz knappem Scheitern in der WM-Qualifikation mit dem zweiten Deutschen Meistertitel belohnt wurde. Zusätzlich konnte das Studium mit der Diplomarbeit über organische Photovoltaik beendet werden. 2008 begann Corinna mit der Promotion an der TU Darmstadt. Sportlich war das Jahr geprägt von den ein oder anderen Querelen und es konnte trotz einiger guter Ergebnisse keine stabile Leistung gezeigt werden. Einen versöhnlichen Saisonabschluss gab es aber dennoch mit dem lang ersehnten Sieg beim Großen Weinpreis, bei dem Corinna Hein als erste Frau dem Salto Abgang zeigte. 2009 ging es dafür stetig bergauf, es sollte "ihr Jahr" werden. Mit einer nicht mehr für möglich gehaltenen Konstanz fuhr Corinna von Sieg zu Sieg, gewann erstmals die German Masters, verbesserte mehrfach den eigenen Weltrekord und krönte ihre Karriere mit dem Weltmeistertitel. Entsprechend hoch lag die Messlatte für 2010. Der Saisonverlauf war allerdings eher durchwachsen. Trotz mehrerer schwacher Ergebnisse konnte Corinna jedoch ihren German-Masters-Sieg aus dem Vorjahr wiederholen und an der Deutschen Meisterschaft erstmals einen Titel verteidigen. Zudem gelang ihr mit der 6er Einrad-Mannschaft der SKV Mörfelden nach gerademal neun-monatigem Engagement der Gewinn der DM-Silbermedaille. An der Weltmeisterschaft vom Pech verfolgt hatte Corinna Hein nach gelungener Vorrunde mit starken Rückenschmerzen zu kämpfen und belegte einen eher enttäuschenden 3. Rang. Das nächste Jahr war überschattet durch den plötzlichen Tod von Corinnas Bruder im August 2011. Die Folge war eine Art gelähmter Zustand, in dem kein Training oder Handeln möglich war. Dennoch versuchte Corinna die Saison zu bestreiten - wie eine Marionette geleitet durch die langjährige Erfahrung - und das mit unerwartetem Erfolg: German Masters Sieg, zweifacher Deutscher Meister (1er Kunstrad und 6er Einrad) und Weltmeister. Starke Leistungseinbrüche an Wettkämpfen gab es keine, diese beschränkten sich auf den emotionalen Bereich, allerdings blieben auch Spitzenresultate aus. Diese ließen auch 2012 lange auf sich warten. Erst im Sommer gab es Ergebnisse jenseits der 180-Punkte-Marke - dafür dicke und nicht zu knapp. Der Abschluss der Doktorarbeit mit der Doktorprüfung Ende Juni schien den Knoten platzen zu lassen und die Leistung zu beflügeln. Stark auch der Einstieg in die Saison trotz Schwierigkeiten im Umfeld und Raddefekt. Der German Masters Sieg konnte wiederholt werden. Die DM fiel in eine eher schwache Phase, in der sich Corinna trotz heftiger Erkältung den Vizetitel sicherte. Die WM sollte einer der stärksten Wettkämpfe in diesem Jahr werden, bei dem Corinna die hochgelegte Messlatte der Konkurrenz mit fulminanter Nervenstärke überbot. Mit dem dritten WM-Titel wurde sie zum "Radsportler des Monats" gewählt. 2013 sollte nach Umstellungen im Trainings- und Trainerbetrieb ein geniales Jahr werden. Nach einem eher schwachen Einstieg beim 1. Masters konnte der Weltrekord beim 2. Masters zurückgeholt und um satte drei Punkte gesteigert werden. Mit konstanten Ergebnissen beim dritten Masters fuhr Corinna zum 5. Gesamtsieg in Folge. Darüber hinaus eroberte sie sich den Deutschen Meistertitel zurück und avancierte mit 6x Gold, 2x Silber und 3x Bronze zur erfolgreichsten Sportlerin der DM-Geschichte. Höhepunkt des Jahres war eine tolle Weltmeisterschaft mit zwei guten Ergebnissen, wobei im Finale erstmalig bei einer WM die 180-Punkte-Marke fiel. Die Stiftung Deutsche Sporthilfe und die geförderten Athleten honorierten den 4. WM-Titel mit der Wahl zur Sportlerin des Monats. Zum nunmehr zehnten Mal beendet sie das Jahr auf Platz 1 der Weltrangliste. Zusätzlich ging Corinna Hein zusammen mit Nicole Spengler im 2er Kunstradfahren an den Start, schaffte auf Anhieb die DM-Qualifikation landete auf Platz 3 der Weltrangliste. 2014 sollte einige Schwierigkeiten und Herausforderungen mit sich bringen: Verletzungen (verstauchtes Handgelenk, Mittelfussbruch) und der Tod von Corinnas Mutter ließen in der ersten Jahreshälfte kaum Training zu. Ende Juli konnten erstmals alle Übungen des alten Programms gezeigt werden. Die Zeit war verdammt knapp, aber rechtzeitig zur ersten WM-Qaulifikation konnte Corinna eine gute Leistung abrufen und blieb erstmals in allen sechs German Masters Läufen ungeschlagen. Doch das Leben hatte mit dem Tod eines weiteren nahen Familienangehörigen einen weiteren Schlag parat. Die unmittelbar folgende DM wurde zu einem Debakel, indem es mit Rang 4 erstmals in der Eliteklasse keine Medaille gab. Bei der WM aber dennoch wieder stark zum 5. Titel, der Corinna zur erfolgreichsten deutschen WM-Fahrerin macht. Auch in der UCI-Weltrangliste konnte Corinna sich den Angriffen der anderen Fahrerinnen erwehren und landete zum 11. Mal ganz vorne. Im 2er konnte mit einem 3. Platz beim Deutschland-Cup und einem 7. DM Rang ein Schritt nach vorne gemacht werden. Ein besonderes Highlight im persönlichen Bereich war die Heirat ihres langjährigen Freundes Jens-Peter Biethan.

 
Sie sind hier: Vita | Zeitreise
Deutsch
English
Français